Für laufende Informationen über die Aktivitäten der deutschen und österreichischen Gruppen von Sumud: www.sumud.de.
Adivasi Drum
Indiens Ureinwohner wehren sich Medizinische Hilfe für die Adivasi
Die Globalisierung machte Indien zu einem Bonanza der multinationalen Konzerne. Die hundert Industriellenfamilien, die eine Milliarde Menschen beherrschen, haben alle schützenden Barrieren niedergerissen, so dass das Kapital völlig freie Hand hat – alles im Dienste der Entwicklung.
Im rohstoffreichen Südosten Indiens vergab die Regierung ganze Landstriche an Bergbaugesellschaften und Industriekonzerne mit Verträgen im Wert von Dutzenden Milliarden Euro. Die fallen wie die Heuschrecken ein um die Bodenschätze auszubeuten. Dieser Raubbau lässt nicht viel mehr als verbrannte Erde zurück. Auf diesem Land leben jedoch die Adivasi, Hindi für Ureinwohner, seit unzähligen Generationen, aber oft ohne Eigentumstitel. Sie gehören zu den Ärmsten der Armen. Wie die Unberührbaren, die Dalits, werden sie von der Gesellschaft ausgeschlossen, mit dem Unterschied jedoch, dass sie in Rückzugsgebieten lebten, die ihnen auch ihre Lebensgrundlage boten.
Für das Business gibt es da nur eine Lösung: sie von ihrem Land zu vertreiben, so wie es der sich entwickelnde Kapitalismus mit den amerikanischen Indianern machte. So wurden im vergangenen Jahrzehnt hunderttausende Adivasi vertrieben. Dabei vernichtete man nicht nur ihre Subsistenzwirtschaft, sondern ist dabei, auch ihre Kultur zu zerstören.
Doch auch der Widerstand wächst. Megaprojekte sind in der Schwebe, weil die Adivasi sich weigern ihr Land zu verlassen. Wenn billige Versprechen im Stil der weißen Siedler Nordamerikas nichts mehr fruchten, dann kommt rohe Gewalt zur Anwendung. Jahrelange friedliche Proteste entwickeln sich zu Formen der Selbstverteidigung. Die bewaffnete maoistische Bewegung wächst schell an und stellt die politische Führung der Adivasi in den zentralen Konfliktzonen. Die Regierung baute eine irreguläre Miliz „Salva Judum“ (reinigende Jagd) auf, die Dörfer nieder brannte und die Bewohner vertrieb. Hunderttausende Adivasis wurden in Lager interniert. Aber sie flüchteten nach und nach und stärkten die Reihen der Maoisten. 2009 zerfiel Salva Judum und die Armee selbst, gestützt auf paramilitärische Kräfte, erklärte nun unter dem Namen „Grüne Jagd“ den Ureinwohnern den Krieg.
Der doppelte Einfluss der Globalisierung und der Widerstandsbewegung verändert die Gesellschaft der Adivasi zutiefst. Den kapitalistischen Entwicklungsweg, wie er von den globalen Eliten einschließlich der indischen propagiert wird, lehnen sie ab. Sie suchen vielmehr nach ihrem Modell, gestützt auf die eigenen Kräfte. In den entlegensten Gebieten wurden Projekte gemeinsamer Landwirtschaft und eigenständiger handwerklicher Produktion gestartet. Das erste Mal gibt es Unterricht in den Adivasi-Sprachen, was die Regierung zwang ebenfalls nachzuziehen. Die Strukturen der lokalen Gegenregierungen schafft für die Frauen die Möglichkeit aus der traditionell untergeordneten Rolle auszubrechen.
Auch andere Teile des einfachen Volkes beteiligen sich am Widerstand. Denn hunderten Millionen wurden die Segnungen der Globalisierung nicht zuteil. Das Beispiel von Posco, einem koreanisch-amerikanischen Unternehmen der Schwerindustrie, das mit mehr als zehn Milliarden die größte Einzelinvestition Indiens plant, illustriert die Situation. An der Ostküste, im Bundesstaat Odisha, soll ein Stahlwerk mit einem Hochseehafen und Eisenerzabbau im Hinterland entstehen. Während die Regierung die Werbetrommeln rührt und vom Gemeinwohl spricht, hält die lokale Bevölkerung dagegen. Die Adivasi kämpfen gegen den Bergbau auf ihrem Land, die Fischer gegen die Zerstörung der Fischgründe, die Bauern ohne Besitztitel um ihre Äcker und die breite Bevölkerung um das Wasser, das ihnen die Industrie absaugen wird. Sie sprechen für eine Entwicklung von unten, gestützt auf die eigenen Kräfte und nicht für das Big Business.
Mit der Verschärfung der Konflikte in Indien bezeichnet Neu Delhi jegliche Opposition gerne als Terrorismus ganz im Stil Amerikas, sei es die islamische Minderheit, die nationalen Befreiungsbewegungen in Kashmir und im Nordosten, die Dalits oder die Adivasi. Die selbsternannte größte Demokratie der Welt verfolgt all jene, die jene demokratischen Rechte in Anspruch nehmen, welche die auf Gandhi zurückgehende Verfassung garantiert. Selbst die bekannteste Schriftstellerin Indiens, Arundhati Roy, die dem bewaffneten Widerstand der Adivasi einen Besuch abstattete, wird mit Gefängnis bedroht.
Als Freiwilligen-Organisation Sumud wollen wir dem Aufruf der indischen Ureinwohner, die um ihr Überleben kämpfen, Folge leisten. Sie suchen Unterstützung für ihre autonomen Entwicklungsprojekte. Nicht nur, weil wir gegen die x-te Wiederholung des Völkermords durch die westliche kapitalistische Zivilisation aufstehen wollen. Sondern auch weil wir angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise von der Globalisierung ebenfalls betroffen sind, , und unsere Kräfte mit dem globalen Widerstand vereinigen wollen.
Der Zugang zu den Regionen des Adivasi-Widerstands wird von der Armee blockiert. Unsere Freunde und Partner von „Adivasi Drum“, der größten Adivasi-Organisation im südlichen Bundesstaat Andra Pradesh, schlugen ein mobiles medizinisches Projekt am Rande der Konfliktzonen vor. Ob das möglich sein wird, hängt auch von unserer Fähigkeit ab, eine Bewusstseinskampagne sowohl hier als auch in Indien zu entfalten.
Für Anfang 2011 ist ein Pilotprojekt geplant, in dem erste medizinische Versorgung angeboten werden soll. Nach dem Besuch vor Ort wollen wir das Projekt wachsen lassen.
Was wir brauchen:
- Medizinisches Personal, das bereit ist, mit den Teams vor Ort zu arbeiten.
- Film, Foto, Jornalisten
- Mehrere Tausend Euro, um damit lokal Medikamente anzukaufen.
Freiwillige können sich hier melden info@sumud.org.
Du kannst Spenden, indem Du auf den Button hier runter klickst, Du kannst Deinen PayPal Account nutzen, Deine Kreditkarte (normal oder Prepaid), oder eine Onlineüberweisung vornehmen.
Wenn Du traditionellere Bezahlungsmöglichkeiten bevorzugst, kannst Du auf unser Konto überweisen.
Aktuelle Kontodaten:
Sumud: volontariato e resistenza
at: Banca Popolare Etica
IBAN: IT19U0501802800000000127032
BIC: CCRTIT2T84A
Die Arbeitsbrigade 2010 ist soeben vom Ein el-Hilweh Lager zurückgekehrt
Am Abend des 22. Juli startete die Italienische Brigade aus Rom.
Am Morgen des 23. kamen sie am Beiruter Flughafen an, wo sie von unseren Freunden vom Verein Nashet herzlich empfangen wurden. Gemeinsam fuhren sie nach Saida und dann in das Ein el-Hilweh Lager. Nächsten Tag sind noch die aus Österreich und Deutschland kommenden Freiwilligen eingetroffen.
Die Delegation wird für den 6. August zurück erwartet.
Blick auf den Bericht und die Photos aus dem Flüchtlingslager Ein el-Hilweh.
Sie können auch einen Blick auf den Bericht und alle gesendeten Nachrichten von unseren Freiwilligen auf dem Sumud Blog werfen und alle Bilder der Brigade auf Sumud PhotoGallery ansehen.
Wir haben ihnen nichts beizubringen
Eine wirtschaftliche Katastrophe, die unsere Lebensweise zwangsläufig verändern wird, trifft den reichen Westen. Es war höchste Zeit, denn wir haben diesen Überfluss ohnehin schon satt.
Nicht die Religion, sondern das Geld ist das stärkste Opium des Volkes. Der teuflische Mechanismus materiellen Wohlstandes musste ein Ende nehmen, damit die Menschen verstehen, in was für einem wahnsinnigen System von Zwängen sie stecken. Doch es lauern auch große Gefahren.
Die Angst abzustürzen kann die niedrigsten Instinkte der Menschen nähren. Der Polizeistaat, der sich formiert, ist nicht einfach eine Teufelswerk, das von außen gegen das Volk gerichtet ist; er schleicht sich auch in die Gehirne der „Staatsbürger“ ein, die inzwischen in Konsumsubjekte verwandelt wurden, sich in ihre trostlose Einsamkeit zurückzuziehen und lautstark nach „Sicherheit“ schreien. Um nicht selbst an das unterste Ende der Pyramide abzurutschen, akzeptieren sie einen neuen äußeren Feind: den islamischen Widerstand.
Dieser düstere Chauvinismus ist dabei, den Mythos von Freiheit und Toleranz zu zerstören, die der Westen als seine Überlegenheit ausgibt. Deshalb ist der Widerstand, der bislang von den Völkern ausging, die von den imperialistischen Kriegen heimgesucht wurden, nicht mehr nur ihre Sache. Jetzt, da die „Erste Welt“ in Brüche geht, müssen wir von jenen lernen, die stets dazu verurteilt waren, der Not mit allen Mitteln zu begegnen und die Fackel ihrer Würde hochhielten.
Wir haben Sumud also nicht gegründet, um vor dem Westen davonzulaufen, sondern um besser für eine Zukunft der Brüderlichkeit und der Solidarität zu kämpfen. Wir wollen nicht unser Gewissen betäuben, indem wir uns an den üblichen Ritualen beteiligen. Wir wollen die Politik positiver Tatsachen und inspirierender Beispiele erleben. Wir wollen uns ändern, denn es ist unmöglich, die Welt zu verändern, ohne die Menschen zu ändern, die in ihr leben.
Nicht als „Missionare“ antworten wir auf die Hilferufe aus Gaza und reisen zu den palästinensischen Flüchtlingslagern. Wir wollen die Menschen dort nicht belehren, noch beabsichtigen wir, sie von den heuchlerischen Werten zu überzeugen, in deren Namen der Westen, Israel und ihre Marionetten sie umbringen und in Ghettos sperren. Nein – wir gehen dorthin, weil sie uns gebeten haben, ihnen zu helfen, Widerstand zu leisten und um einen Teil der Wut, der Hoffnung auf Befreiung und der Menschlichkeit, die im Widerstand überleben, in den Westen zurückzubringen.
Für uns bedeutet antiimperialistische Freiwilligenarbeit, uns in die Hölle zu begeben, in die es die Verdammten dieser Erde verschlagen hat, um ihren Durst nach Gerechtigkeit zu teilen und um mit ihnen zusammen die Luft der Freiheit zu atmen, die sie überleben ließ. Sumud bedeutet, zur internationalen Gemeinschaft der Letzten zu gehören, weil die gesamte Menschheit erst dann frei sein wird, wenn sie ihre Ketten zerbrochen haben werden.
