Die Arbeitsbrigade 2009 ist soeben vom Ein el-Hilweh Lager zurückgekehrt

Bericht aus dem palästinensischen Flüchtlingslager Ein el-Hilweh

Am Abend des 17. August startete die Brigade von Rom.

Nach einem nächtlichen Aufenthalt in Budapest trafen die italienischen Teilnehmer mit jenen aus Österreich, Deutschland und Britannien in den frühen Morgenstunden des 18.8. in Beirut zusammen. Gemeinsam fuhr man nach Saida, wo man von den Leuten der libano-palästinensischen Partnervereinigung Nashet begrüßt wurde.

Am Morgen des 19.8. betrat die Brigade das erste Mal das Lager Ein el-Hilweh.

Die Delegation wird für den 4. September zurück erwartet.

Unser Projekt erlangte das Interesse der libanesischen Medien, und nsere Brigade wurde von mehreren Zeitungen interviewt, darunter Al-Akhbar, Daily Star, Addiyar und Al-Binaa sowie dem Fernsehsender Al-Manar.

 

Dies ist der dritte Bericht, verfasst an unserem letzten Abend im Flüchtlingslager; leider konnte er erst später gesendet werden aufgrund von Zeitmangel und den üblichen Problemen mit dem Strom.

Donnerstag, 3. September, 23 Uhr, Flüchtlingslager 'Ein el-Hilweh

Heute ist unser letzter Abend hier, wir haben nur noch zwei Stunden im Lager, dann brechen wir Richtung Flughafen in Beirut auf um unsere Flieger zu erwischen die uns nach Budapest und von dort weiter nach Italien, Österreich, Deutschland und England bringen werden.

Die Eröffnungsfeier des Gebäudes hat gerade geendet, wir haben den ganzen Tag damit zugebracht sie zu organisieren und wir denken sie lief gut. Es gab eine Diashow, Musik, Dabka-Tänzer und ein „italienisches“ Buffet (das von drei unserer Freiwilligen vorbereitet wurde). Die kleine Feier besuchten Persönlichkeiten aus dem Lager und einige Journalisten.

Was ist in den letzten Tagen geschehen: Die Renovierungsarbeiten konnten abgeschlossen werden, sie brauchen noch hier und da einen letzten Schliff, aber wir können sagen, sie sind zu 95% fertig. Wir haben die Außenwände des Gebäudes repariert und weiß gestrichen, haben die Überdachung des Hofes fertiggestellt, die Türen in Stand gesetzt und rot gestrichen sowie ein Schild außen am Gebäude angebracht, auf dem steht „Sumud Jugendzentrum“ und die Namen der zwei Organisationen (Nashet und Sumud) und sich gut macht an der hergerichteten Wand.

Während unserer Arbeit bemerkten wir ein wachsendes Interesse an unserer Aktivität, einige Politiker aus dem PFLP Umfeld und auch einige Nachbarn kamen vorbei um zu sehen welche Fortschritte die Renovierung machte.

Ansonsten hatten wir Treffen mit Vertretern der meisten politischen Gruppen im Lager: ein besonderes mit der PFLP, der auch das Gebäude gehört welches von uns renoviert wurde, bei dem wir ihnen für ihre Gastfreundschaft und für die Möglichkeit unser Projekt umzusetzen dankten; weiters trafen wir Vertreter derFatah, Hamas, Islamischer Dschihad und dem Koordinator der islamischen Parteien.

Wir machten außerdem einen Tagesausflug in den Süden, wo wir das Gefängnis el-Khian besuchten, 1988 von den israelischen Besatzern errichtet, zurückerobert von dem Widerstand im Jahr 2000 und in ein Museum umgewandelt, und dann schließlich 2006 von israelischen Flugzeugen bombardiert – um die Beweise ihrer Verbrechen zu zerstören, wie uns gesagt wurde. Tatsächlich sahen wir die Zellen in denen die Gefangenen unter unmenschlichen Bedingungen eingesperrt waren und Folterwerkzeuge die von den Israelis benutzt wurden. Wir besuchten auch die Ruinen der Beaufort Kreuzfahrerburg, die von den israelischen Soldaten während der Besatzung in Beschlag genommen worden war, und Schauplatz wichtiger Auseinandersetzungen zwischen Besetzern und dem Widerstand (v.a. des palästinensischen) war.

An unserem letzten Tag hatten wir ein kurzes formelles Treffen mit einem Vertreter des Bezirks Saida.

Leider erhielten wir trotz unserer wiederholten Bemühungen keine Erlaubnis das Nahr el Bared Lager zu besuchen.

 

Das ist der zweite Bericht aus dem Lager, erhalten von der Arbeitsbrigade "Sumud", zehn Tage nach Beginn der Mission.

Samstag 29. August 2009, 'Ein el-Hilweh

Wir sind jetzt seit zehn Tagen im Lager.

Allen geht es gut, aber wir sind wirklich müde. Jeden Tag arbeiten wir von frühmorgens bis nachmittags an der Renouvierung. Oft haben wir Aktivitäten am späten Nachmittag und am Abend. Aber natürlich haben wir auch das Bedürfnis danach, miteinander Zeit zu verbringen, und zu plaudern. Oft sind wir erst nach dem Abendessen frei, und so gehen alle spät ins Bett und schlafen nur wenige Stunden.

Jetzt haben wir Internetverbindung im Gebäude bekommen (wir residieren im selben Gebäude, an dem wir arbeiten), aber Elektrizität (“karaba” auf Arabisch, ein Wort, dass jeder gelernt hat) tendiert dazu, zu unwahrscheinlichen Tagesstunden zu kommen und zu gehen, und wir haben nur einen Laptop.

Die Renouvierungsarbeiten gehen weiter, wenn auch mit einer kleinen Verspätung: wir sind mit dem Ausmalen der meisten Zimmer fertig geworden, die Infrastruktur für Strom ist bereitgestellt, und das Badezimmer ist auf dem besten Weg, fertig zu werden. Die Fenster und Türen sind ebenfalls gestrichen. Wir haben auch die niedrigen Zäune am Eingang fixiert, aber an der Außenseite des Gebäudes gibt es noch viel zu tun. Ein Profi wird kommen und eine Überdachung über dem Haupthof bauen und dort den Boden betonieren. Danach werden wir die Arbeit an den Außenwänden beginnen. Verbesserungsfähig wäre wahrscheinlich unsere Koordination, aber insgesamt glauben wir, dass die Arbeit gut voran kommt.

Soziale Aktivitäten: Wir hatten ein Treffen mit zwei Vertretern des Volkskomitees. Das ist eine administrative Körperschaft im Flüchtlingslager. Sie erklärten, wie das Komitee arbeitet und was seine Funktionen sind. Das Komiteee ist nicht gewählt, sondern aus Vertetern der PLO-Organisationen zusammengesetzt, die von den jeweiligen Organisationen zu diesen Funktionen bestimmt wurden. Daher sind sie (wie die PLO selbst) nicht überal als "legitim" anerkannt. Die sogenannten "pro-Syrien-Fraktionen" haben ein anderes, eigenes Komitee.

Wir besuchten auch das Al-Nidaa-Spital, zu dem ein neuen Flügel zugebaut wird. Auf dem Weg dorthin und zurück bekamen wir mehr von Flüchtlingslager zu sehen: die Straßen, die engen Gassen, den Hauptmarkt, alles sehr lebendig und voller Menschen.

Am Freitag nahmen wir an einer Gedenkfeier für Abu Ali Mustafa, dem ehemaligen Generalsekretär der PFLP, der 2001 von den Zionisten ermordet wurde, teil.

Geplante Aktivitäten:Morgen treffen wir Vertreter der Hauptorganisationen im Lager: Fatah, Hamas, die Salafiten.

Am Sonntag haben wir eine Reise in den Südlibanon geplant. Dort werden wir Orte, die weltweit im Zusammenhang mit dem israelischen Angriff im Jahr 2006 bekannt wurden besuchen.

Zusätzlich beantragten wir eine Genehmigung, das Flüchtlingslager Nahr-el-Bared bei Tripoli zu betreten, das vor zwei Jahren durch den Beschuss der libanesischen Armee völlig zerstört wurde.

 

Dies ist der erste Bericht er uns vor kurzen von der Brigade direkt aus dem Lager übermittelt wurde.

Samstag 22. August 2009, 'Ein el-Hilweh

Unsere Arbeitsbrigade ist seit vier Tagen im Libanon und den dritten Tag im Lager.

Nach der Ankunft wurde unsere Zutrittsgenehmigung zum Flüchtlingslager vom libanesischen Militär nicht anerkannt, obwohl alle notwendigen bürokratischen Schritte durchlaufen worden waren. Ohne weitere Erklärungen wurde die „zu große Anzahl der Personen“ als Grund genannt, jedoch vermuten wir politische Motivationen.

Mit Hilfe unserer Partner von Nashet wurden in der Zwischenzeit zwei Treffen mit libanesischen politischen Gruppen, außerhalb des Camps, in der Stadt Saida, organisiert.

Das erste Treffen hatten wir mit der Volksdemokratischen Partei, einer marxistisch-leninistischen Gruppe, die einen klaren antiimperialistischen Standpunkt einnimmt und den Widerstand aller unterdrückten Völker weltweit unterstützt. Sie kooperiert mit dem nationalen libanesischen Widerstand. Nach der Vorstellung unseres gemeinsamen Projektes sagten sie ihre Beteiligung für einen Tag an den Arbeiten zu.

Das zweite Treffen war mit Osama Saad, dem Vorsitzenden der Nasseristischen Volkspartei und ehemaligem Parlamentsmitglied. Wir diskutierten über die Notwendigkeit des palästinensischen Widerstandes und der internationalen Kooperation zu dessen Unterstützung. Darüber hinaus stellten wir unser gemeinsames Projekt mit Nashet vor und betonten den Unterschied von Sumud zu NGOs, welche von westlichen Institutionen unterstützt werden.

Am zweiten Tag erhielten wir dann doch Zutritt zum Lager Ein el-Hilweh und besichtigten sogleich das zu renovierende Gebäude. Nach einer gemeinsamen Bestandsaufnahme mit Nashet wurden die notwendigen Vorbereitungen getroffen. Das beschädigte Dach und die Wände waren zuvor bereits von unseren Partnern teilweise renoviert worden.

Die Arbeitsbrigade nahm danach ihre Tätigkeit gemeinsam mit Mitgliedern von Nashet auf und konnte bis jetzt (vierter Tag) die Wände, die Fenster und die Türen soweit vorbereiten, dass sie gestrichen werden können. Mit der Renovierung der Elektroinstallationen wurde ebenfalls begonnen. Die Beteiligung aller Anwesenden (aus Italien, Österreich, Deutschland, England sowie aus Palästina) an den Arbeiten trägt zu einer sehr freundschaftlichen und motivierten Stimmung bei. Die Freizeit verbringen wir mit Gesprächen über unsere Erfahrungen und tauschen unsere Meinungen aus.

Am dritten Tag hatten wir einen Workshop über die Rechte der Palästinenser im Libanon, der von einem Repräsentanten der NGO mit dem Namen 'Youth Advocacy Policy' geleitet wurde und welche sich auf die Aufklärung der libanesischen und palästinensischen Bevölkerung über deren Rechte spezialisiert hat. Nach der Besichtigung der Grabstätten von Märtyrern im Camp hielt Zafer al-Khateeb, Vorsitzender von Nashet, einen Vortrag über die politisch-historische Situation der Palästinenser von der Nakba (Vertreibung 1948) bis heute.

Als Volontäre, mit dementsprechend begrenzten Mitteln, werden wir unser Bestes geben, um das Gebäude so weit wie möglich in ein nutzbares Zentrum zu verwandeln. Darüber hinaus werden wir das kulturell-politische Programm fortsetzen, um das Verständnis der sehr prekären Situation zu vertiefen. Wir planen einen Tag in den Süden des Libanon zu fahren, um uns ein Bild die Lage nach dem Einmarsch Israels 2007 zu machen.

 

Fotogallerie Arbeitseinsatz 2009

Im Folgenden einige Bilder von der Mission in Ein el-Hilweh.

Die Arbeitsbrigade

Die Arbeitsbrigade anlässlich des Treffens mit Osama Saad.

 

Morgendämmerung über dem Flüchtlingslager

Morgendämmerung über dem Flüchtlingslager bei unserer Ankunft.

 

Beginn der Arbeiten

Beginn der Arbeiten: Freiwillige von Sumud und Nashet entfernen Schutt.

 

Vorbereitungsarbeiten fuer die Elektroinstallationen

Vorbereitungsarbeiten fuer die Elektroinstallationen.

 

Arbeitspause

Die Volontaere waehrend der Arbeitspause.

 

Runder Tisch

Runder Tisch zu den Rechten der palästinensischen Flüchtlinge im Libanon.

 

Die Landschaft von Ein el Hilweh

Die Landschaft von Ein el Hilweh, im Hintergrund der Müllberg von Saida.

 

Arbeiten am Eingang des Zentrums

Unsere Freiwilligen arbeiten am Eingang des Zentrums.

 

Das Treffen mit Volkskomittees

Das Treffen mit Vertretern des Volkskomittees des Lagers.

 

Gedenkrede für Abu Ali Mustafa

Gedenkrede für Abu Ali Mustafa vor dem Märtyrerdenkmal auf dem Friedhof des Lagers.

 

Fußballspiel

Fußballspiel mit palästinensischen Jugendlichen während der Freizeit.

 

Unser Treffen mit der PFLP

Unser Treffen mit der PFLP in ihrem Büro.

 

Das Treffen mit Vertretern des Islamischen Dschihad

Das Treffen mit Vertretern des Islamischen Dschihad in dem zu renovierenden Gebäude.

 

Burg Beaufort bleibt

Was von der Burg Beaufort bleibt.

 

Kurz vor der offiziellen Eröffnung wurde das Gebäude fertiggestellt

Kurz vor der offiziellen Eröffnung wurde das Gebäude fertiggestellt.

 

Treffen mit

Treffen mit der Demokratischen Volkspartei des Libanon.

 

Gemeinsames Mittagessen am Fluss

Gemeinsames Mittagessen am Fluss.

 

Zwei Mitglieder der Brigade

Zwei Mitglieder der Brigade bereiten die Fenster zum Streichen vor.

 

Voluntaere bei der gemeinsamen Arbeit

Voluntaere aus Europa und Palastinenser bei der gemeinsamen Arbeit.

 

Besuch der Maertyrgraeber

Besuch der Maertyrgraeber im Lager.

 

Beim Billardspielen in der Altstadt von Saida

Beim Billardspielen in der Altstadt von Saida.

 

Nach der harten Arbeit des Tages ruhen die Freiwilligen sich aus

Nach der harten Arbeit des Tages ruhen die Freiwilligen sich aus.

 

Markt

Der große Markt des Lagers voller Leben.

 

Operationssaal von Al Nidaa

Operationssaal von Al Nidaa, das größte Krankenhaus des Lagers.

 

Unsere Parolen während des Umzuges

Unsere Parolen während des Umzuges in Erinnerung an Abu Ali Mustafa.

 

Saida bereitet sich auf den Ramadan

Saida bereitet sich auf den Ramadan vor.

 

Das Treffen mit dem Vertreter der Fatah

Das Treffen mit dem Vertreter der Fatah.

 

Die Ruinen des El-Khian Gefängnisses

Die Ruinen des El-Khian Gefängnisses.

 

Der Litani Fluss

Der Litani Fluss: Hinter dem Hang beginnt das Gebiet Palästinas.

 

Grüße von der Brigade

Grüße von der Brigade.