Adivasi Drum: Medizinische Hilfe für den Widerstand der indigenen Völker Indiens

Chhattisgarh (Indien), 2011

Die Globalisierung machte Indien zu einem Bonanza der multinationalen Konzerne. Die hundert Industriellenfamilien, die eine Milliarde Menschen beherrschen, haben alle schützenden Barrieren niedergerissen, so dass das Kapital völlig freie Hand hat – alles im Dienste der Entwicklung.

Im rohstoffreichen Südosten Indiens vergab die Regierung ganze Landstriche an Bergbaugesellschaften und Industriekonzerne mit Verträgen im Wert von Dutzenden Milliarden Euro. Die fallen wie die Heuschrecken ein um die Bodenschätze auszubeuten. Dieser Raubbau lässt nicht viel mehr als verbrannte Erde zurück. Auf diesem Land leben jedoch die Adivasi, Hindi für Ureinwohner, seit unzähligen Generationen, aber oft ohne Eigentumstitel. Sie gehören zu den Ärmsten der Armen. Wie die Unberührbaren, die Dalits, werden sie von der Gesellschaft ausgeschlossen, mit dem Unterschied jedoch, dass sie in Rückzugsgebieten lebten, die ihnen auch ihre Lebensgrundlage boten.

Für das Business gibt es da nur eine Lösung: sie von ihrem Land zu vertreiben, so wie es der sich entwickelnde Kapitalismus mit den amerikanischen Indianern machte. So wurden im vergangenen Jahrzehnt hunderttausende Adivasi vertrieben. Dabei vernichtete man nicht nur ihre Subsistenzwirtschaft, sondern ist dabei, auch ihre Kultur zu zerstören.

Doch auch der Widerstand wächst. Megaprojekte sind in der Schwebe, weil die Adivasi sich weigern ihr Land zu verlassen. Wenn billige Versprechen im Stil der weißen Siedler Nordamerikas nichts mehr fruchten, dann kommt rohe Gewalt zur Anwendung. Jahrelange friedliche Proteste entwickeln sich zu Formen der Selbstverteidigung. Die bewaffnete maoistische Bewegung wächst schell an und stellt die politische Führung der Adivasi in den zentralen Konfliktzonen. Die Regierung baute eine irreguläre Miliz „Salva Judum“ (reinigende Jagd) auf, die Dörfer nieder brannte und die Bewohner vertrieb. Hunderttausende Adivasis wurden in Lager interniert. Aber sie flüchteten nach und nach und stärkten die Reihen der Maoisten. 2009 zerfiel Salva Judum und die Armee selbst, gestützt auf paramilitärische Kräfte, erklärte nun unter dem Namen „Grüne Jagd“ den Ureinwohnern den Krieg.

Der doppelte Einfluss der Globalisierung und der Widerstandsbewegung verändert die Gesellschaft der Adivasi zutiefst. Den kapitalistischen Entwicklungsweg, wie er von den globalen Eliten einschließlich der indischen propagiert wird, lehnen sie ab. Sie suchen vielmehr nach ihrem Modell, gestützt auf die eigenen Kräfte. In den entlegensten Gebieten wurden Projekte gemeinsamer Landwirtschaft und eigenständiger handwerklicher Produktion gestartet. Das erste Mal gibt es Unterricht in den Adivasi-Sprachen, was die Regierung zwang ebenfalls nachzuziehen. Die Strukturen der lokalen Gegenregierungen schafft für die Frauen die Möglichkeit aus der traditionell untergeordneten Rolle auszubrechen.

Auch andere Teile des einfachen Volkes beteiligen sich am Widerstand. Denn hunderten Millionen wurden die Segnungen der Globalisierung nicht zuteil. Das Beispiel von Posco, einem koreanisch-amerikanischen Unternehmen der Schwerindustrie, das mit mehr als zehn Milliarden die größte Einzelinvestition Indiens plant, illustriert die Situation. An der Ostküste, im Bundesstaat Odisha, soll ein Stahlwerk mit einem Hochseehafen und Eisenerzabbau im Hinterland entstehen. Während die Regierung die Werbetrommeln rührt und vom Gemeinwohl spricht, hält die lokale Bevölkerung dagegen. Die Adivasi kämpfen gegen den Bergbau auf ihrem Land, die Fischer gegen die Zerstörung der Fischgründe, die Bauern ohne Besitztitel um ihre Äcker und die breite Bevölkerung um das Wasser, das ihnen die Industrie absaugen wird. Sie sprechen für eine Entwicklung von unten, gestützt auf die eigenen Kräfte und nicht für das Big Business.

Mit der Verschärfung der Konflikte in Indien bezeichnet Neu Delhi jegliche Opposition gerne als Terrorismus ganz im Stil Amerikas, sei es die islamische Minderheit, die nationalen Befreiungsbewegungen in Kashmir und im Nordosten, die Dalits oder die Adivasi. Die selbsternannte größte Demokratie der Welt verfolgt all jene, die jene demokratischen Rechte in Anspruch nehmen, welche die auf Gandhi zurückgehende Verfassung garantiert. Selbst die bekannteste Schriftstellerin Indiens, Arundhati Roy, die dem bewaffneten Widerstand der Adivasi einen Besuch abstattete, wird mit Gefängnis bedroht.

Als Freiwilligen-Organisation Sumud wollen wir dem Aufruf der indischen Ureinwohner, die um ihr Überleben kämpfen, Folge leisten. Sie suchen Unterstützung für ihre autonomen Entwicklungsprojekte. Nicht nur, weil wir gegen die x-te Wiederholung des Völkermords durch die westliche kapitalistische Zivilisation aufstehen wollen. Sondern auch weil wir angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise von der Globalisierung ebenfalls betroffen sind, , und unsere Kräfte mit dem globalen Widerstand vereinigen wollen.

Der Zugang zu den Regionen des Adivasi-Widerstands wird von der Armee blockiert. Unsere Freunde und Partner von „Adivasi Drum“, der größten Adivasi-Organisation im südlichen Bundesstaat Andra Pradesh, schlugen ein mobiles medizinisches Projekt am Rande der Konfliktzonen vor. Ob das möglich sein wird, hängt auch von unserer Fähigkeit ab, eine Bewusstseinskampagne sowohl hier als auch in Indien zu entfalten.

Für Anfang 2011 ist ein Pilotprojekt geplant, in dem erste medizinische Versorgung angeboten werden soll. Nach dem Besuch vor Ort wollen wir das Projekt wachsen lassen.

Was wir brauchen:

  • Medizinisches Personal, das bereit ist, mit den Teams vor Ort zu arbeiten.
  • Film, Foto, Jornalisten
  • Mehrere Tausend Euro, um damit lokal Medikamente anzukaufen.

Freiwillige können sich hier melden info@sumud.org.

Du kannst Spenden, indem Du auf den Button hier runter klickst, Du kannst Deinen PayPal Account nutzen, Deine Kreditkarte (normal oder Prepaid), oder eine Onlineüberweisung vornehmen.

Wenn Du traditionellere Bezahlungsmöglichkeiten bevorzugst, kannst Du auf unser Konto überweisen.

Aktuelle Kontodaten:
Sumud: volontariato e resistenza
at: Banca Popolare Etica
IBAN: IT19U0501802800000000127032
BIC: CCRTIT2T84A

 

This is the Official Invitation from the General Secretary of Tudum Debba - Adivasi Hakkula Porata Samithi, the association of the Adivasi natives.

 

Chhattisgarh (Indien): Aufruf zu einem Hilfsprojekt

Die neoliberale Globalisierung der letzten Jahrzehnte hat die Situation dieser autochthonen Volksgruppen unerträglich werden lassen. Die Regierung verkauft ihren Lebensraum an Großkonzerne, die die reichen Rohstoffvorkommen ausbeuten wollen. Abholzung, Staudammprojekte, Sonderwirtschaftszonen,… Die Adivasi werden zu Millionen von ihrem Land vertrieben und ohne Lebensunterhalt dem Hunger preisgegeben.

Dagegen regt sich wachsender Widerstand, der führend von Maoisten (in Indien oft Naxaliten genannt) organisiert wird. Die Rebellion der Ureinwohner wird von den Großgrundbesitzern, den Hindu-Chauvinisten, konservativen Stammesmilizen (Salva Judum), Militär und Polizei bekämpft. Die indische und amerikanische Regierung sprechen im Gleichklang von Terrorbekämpfung. In der „größten Demokratie der Welt“ wurden Gesetze erlassen, die dafür sorgen, dass man für die politische Unterstützung der Rebellion für Jahre hinter Gitter wandert. Unsere freien Medien schweigen.

Die indischen Adivasi (Hindi für Ureinwohner, Selbstbezeichnung) waren immer schon unterdrückt, ähnlich wie die Kaste der Unberührbaren. Doch der ungebremste Kapitalismus der letzten Periode gefährdet selbst ihre nackte Existenz. Bergbaukonzerne, Staudammprojekte und Großgrundbesitzer vertreiben sie von ihrem Land und zerstören ihre natürliche Lebensgrundlage. „Shining India“ heißt Industrialisierung brutal.

Mit aller Gewalt wird gegen die am Rande der Gesellschaft in Subsistenz lebenden Bäuerinnen und Bauern nicht nur von Seiten der Armee und Polizei, sondern auch von hindu-chauvinistischen Milizen, bezahlt von Landbesitzern und Konzernen, vorgegangen. Die autochthonen Volksgruppen hängen oft Naturreligionen an oder flüchten aus dem Sklavenstatus in Christentum oder Islam, die ihnen zumindest formale Gleichheit versprechen.

Angesichts der Brutalität von Armee, Polizei und Milizen sehen sich die Adivasi gezwungen, zum Mittel des bewaffneten Widerstands zu greifen – und werden vom indischen Staat sofort als Terroristen bezeichnet, um ihrem Kampf die Legitimität zu nehmen. Dabei wird verschwiegen, dass die bei den Adivasi politisch führenden Maoisten erfolgreich Projekte nachhaltiger Selbstentwicklung vorantreiben.

Der Völkermord an den amerikanischen Indianern ist eine Ursünde der europäischen Zivilisation. Wir dürfen nicht zulassen, dass die kapitalistische Durchdringung nun abermals zum Völkermord führt, nun in Indien.

Die antiimperialistische Hilfsorganisation „Sumud“ bereitet für den kommenden Jahr einen Freiwilligeneinsatz zur Unterstützung der Ureinwohner vor. Interessierte sind eingeladen sich zu informieren.

Weitere Informationen über das Projekt in Indien

Indien führt Krieg gegen die Adivasi

Seit jeher waren die Ureinwohner Indiens, die Adivasis unterdrückt, denn sie wurden automatisch der Kaste der Unberührbaren gleichgesetzt. Doch die neoliberale Globalisierung der letzten Jahrzehnte hat ihre Situation schier unerträglich gemacht. Die Regierung verkauft ihren Lebensraum an indische und internationale Großkonzerne, die die reichen Rohstoffvorkommen ausbeuten wollen. Abholzung, Staudammprojekte, Sonderwirtschaftszonen, Umweltzerstörung… Die Adivasis werden massenhaft von ihrem Land vertrieben und ohne Lebensunterhalt dem Hunger preisgegeben.

Dagegen regt sich seit einigen Jahren wachsender Widerstand, der oft von Maoisten organisiert wird. Die Rebellion der Ureinwohner wird von den Großgrundbesitzern, den Hindu-Nationalisten (die die Adivasis auch aufgrund ihrer eigenen uralten Religionen als Sklaven betrachten), Militär und Polizei mit Unterstützung der Konzerne und des Westens mit brutaler Gewalt bekämpft.
Die indische und amerikanische Regierung sprechen im Gleichklang von „Terrorbekämpfung“. In der „größten Demokratie der Welt“ wurden Gesetze erlassen, die dafür sorgen, dass man für die politische Unterstützung der Rebellion für Jahre hinter Gitter wandert. Und unsere „freien Medien“ schweigen.

Doch der Kampf der Adivasis kennt auch Erfolge. In einigen extrem armen Regionen gibt es praktisch befreite Gebiete, die Dank der Maoisten von den Adivasis selbst regiert werden. Gestützt auf die eigenen kollektiven Wurzeln wird die Bewässerung organisiert, ökologisch verträgliche neue Agrartechnik und Pflanzen eingeführt, Kleingewerbe entwickelt, Ausbildungs- und Justizwesen gebildet – und mittels Milizen die neue Freiheit gegen Großgrundbesitzer, ihre Banden und den Staat verteidigt. Gleichzeitig fordern sie die Anerkennung ihrer Sprache und teilweise auch eigene, neue Bundesstaaten im Rahmen der indischen Föderation.

Diese Bewegung der Gegenmacht von unten wollen wir miterleben, unterstützen und gegen die Verleumdungen der globalen Eliten verteidigen.
Irgendwo am Rande der militärischen Sperrgebiete wollen wir uns nach Vorbild der zapatistischen Bewegung der 1990er Jahre mit unseren beruflichen Fähigkeiten und unserer menschlichen Solidarität an einer Widerstandsgemeinschaft beteiligen und damit auch als Schutz gegen die Übergriffe dienen.

Wehret den Anfängen! Der Genozid an den Indianern, der den „American way of live“ begründete, darf sich nicht wiederholen.

Indien führt Krieg gegen seine Ureinwohner